Die Schattenhüter Chronik - Erstes Buch: Rha'herell


Zweites Zwischenspiel: Auszug aus den Aufzeichnungen der Gilde



Verfasst im Jahr 1232 von Meister Colvaír, Bibliothekar und Schreiber der Gilde.

Zu den vielen alten Sagen aus dem Reich von Dherrin, die auch heute noch immer wieder gerne erzählt werden, gehört auch jene, in der eines Tages der Tod auf einem Turnier erschien und mit der Lieblingstochter des Herrschers verschwand. Wenn wir uns diese Geschichte genauer betrachten, können wir sicher sein, daß er sich beim vermeintlichen Tod um einen der Ewigen handelte.Dies wäre ein weiteres Erscheinen, welches in Zusammenhang steht mit dem Verschwinden eines Menschen.
Der Vollständigkeit halber werde ich die Sage in ihrer bekannten Form wiedergeben und dann meine Erläuterungen dazu anführen.

In der lange vergangenen Zeit des großen Rha’es Dherrin, der dem Reich seinen Namen gab, hielt man eines Tages im Monat Nennaí am Hofe ein großes Fest mit Turnier zu Ehren des Frühlings ab. Die jüngste Tochter des Rha’es war zur Königin des Nennaí gewählt und dem Sieger des Turniers winkte ein besonderer Preis. Beim großen Ball am Abend des letzten Turniertages sollte er zusammen mit der Prinzessin den Tanz anführen.
Diese Prinzessin war eine junge Frau voller Anmut und großem Liebreiz und es wunderte niemanden, dass der Andrang zum Turnier größer als zu anderen Zeiten war.
Einer der jungen Männer tat sich besonders im Turnier hervor. Er war stattlich anzusehen und von hoher Herkunft. Er gewann jeden Zweikampf, ob mit Schwert oder Lanze und schließlich blieben nur noch eine Handvoll Gegner über, die er beim Lanzenstoß auf ihre Plätze verwies. Er wähnte sich bereits als Sieger, da erschien wie aus dem Nichts ein weiterer Herausforderer. Von Kopf bis Fuß in schwarz gerüstet und auf einem schwarzen Pferd ritt er auf den Kampfplatz. Allen, die da versammelt waren, ging ein kalter Schauder über den Rücken, als das schwarze Ross an ihnen vorüber schritt.
Der junge Ritter bekämpfte die Angst, die auch in ihm aufstieg, in dem der den schwarzen Ritter verächtlich herausforderte. Die Kontrahenten stellten sich auf und ritten an. Als sie aneinander vorbeipreschten, fühlte der junge Ritter sich von einer unsichtbaren Hand gepackt und aus dem Sattel in den Dreck geschleudert.
So dann führte der Schwarze Ritter sein Pferd vor die Tribüne, saß ab und kniete sich vor dem Rha'es nieder.
Seine Stimme war nicht mehr als ein heiseres Flüstern, als er um seinen Preis bat, aber jeder hörte ihn. Der Rha’es konnte nicht anders, als seinem Versprechen nachkommen und legte die Hand seiner Tochter in die des schwarzen Ritters.
Als der Abend kam, spielte die Musikanten zum Tanz auf und während der schwarz Ritter und die Prinzessin sich zur Musik drehten, verdunkelte sich der Himmel und von Ferne jagte ein Sturm heran, der schwarze Wolken vor sich her trieb. Blitze zerrissen die Dunkelheit und Donner grollte.
Der schwarze Ritter aber nahm die Prinzessin sacht bei der Hand und hob sie auf sein Pferd. Noch bevor einer es genau begriff,trabte das schwarze Ross durch die Nacht und verschwand mit einem Blitzschlag. Der Rha’es war fortan von tiefem Gram erfüllt und es wurde bis zu seinem Tode kein Lachen mehr von ihm gehört.


Wie sehr leicht zu erkennen ist, wurde der schwarze Ritter mit dem Tod gleichgesetzt, obwohl niemandes Leben durch ihn beendet wird. Dies ist typisch für Sagen aus der Zeit um 300, in deren Entstehungszeit die Ewigen natürlich noch nicht bekannt waren.
Die für uns eindeutigen Indizien, wie starke Energieentladungen und das "Erscheinen aus heiterem Himmel" waren, außer den wenigen Magiebenutzern, niemandem ein Begriff.

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